KI in der Videoproduktion: der Workshop in Dortmund
Ende September war ich beim Get Together der Freien Szene Film Dortmund zu Gast. Thema des Abends: KI in der Videoproduktion. Rund zehn bis zwölf Filmschaffende und Studierende waren ins NuWork gekommen.
Der Einstieg: Hättet ihr es erkannt?
Ich habe den Abend mit einem kurzen Clip begonnen und gefragt, ob jemand erkennt, dass er mit KI entstanden ist. Die Auflösung: Alles, was zu sehen war, war KI. Nur ich nicht. Die Vorlage war ein Handyvideo aus meiner Küche vom selben Nachmittag. Direkt danach lief mein Showreel, alles echt gedreht. Der Kontrast war gewollt: Ich komme von echten Filmsets und setze KI seit rund zwei Jahren gezielt in meinen Produktionen ein.
Drei Dinge zum Mitnehmen
- Die KI ist nur so gut wie eure Idee und eure Beschreibung. Ohne genaue Anweisung liefert sie den Durchschnitt. Je genauer man beschreibt, desto weniger entscheidet die KI.
- KI ist kein Chatfenster, sondern ein Arbeitsplatz. Ordner, Regeln und Verbindungen machen aus einem Chat ein Werkzeug.
- Die Verantwortung bleibt bei euch. Was die KI tut, was sie kostet und wen es trifft, entscheidet der Mensch.
Ein Arbeitsplatz statt Chatfenster
Im Mittelpunkt standen meine Werkzeuge: Claude zum Denken, Planen und Schreiben, und Higgsfield, eine Plattform, die viele Bild- und Videomodelle bündelt. Entscheidend ist aber nicht das einzelne Tool, sondern wie man es einrichtet: ein Ordner pro Projekt mit Drehbuch, Bildern und Absprachen, feste Regeln in einfachen Textdateien und gespeicherte Anleitungen für Aufgaben, die immer wiederkommen.
Damit die Programme zusammenarbeiten, braucht es Verbindungen. Ich habe das mit Funk am Set erklärt: Die Schnittstelle eines Programms ist sein Funkkanal, der gemeinsame Standard sorgt dafür, dass alle dieselbe Sprache sprechen, und der Konnektor ist das eingestellte Funkgerät. Am Anfang und am Ende steht trotzdem immer der Mensch.
Zwei Beispiele aus der Praxis
Das erste: ein kompletter KI-Film für ein Forschungsprojekt der Universität Witten/Herdecke und der PMU Salzburg zur Altenpflege in der Pandemie. KI war hier die richtige Wahl, weil viele Betroffene verstorben sind und Angehörige nicht erneut belastet werden sollten. Schwierig waren die Details: Jede kleine Änderung bedeutete, eine Szene neu zu erzeugen.
Das zweite: ein Bewerbungsfilm für einen Musikschulpreis, in 37 Tagen von der Anfrage bis zur Abgabe. Echt gedreht, mit echten Rollen und Drehorten. KI kam nur dort zum Einsatz, wo sie hilft: für Kinder und Publikum im Hintergrund und beim Color Grading. Beim Sound Design hat sie versagt, das hat am Ende ein Mensch gerade gebogen.
Verantwortung, Kosten, Strom
Mir war wichtig, die unbequemen Seiten nicht wegzulassen. KI hat an unserer Arbeit gelernt, an Millionen Fotos, Filmen und Texten, meist ohne zu fragen oder zu bezahlen. Echte Menschen in Situationen zu zeigen, die es nie gab, mache ich nicht. Seit August 2026 gilt in der EU außerdem eine Kennzeichnungspflicht für echt wirkende Menschen, Orte und Ereignisse.
Dazu kommen Strom und Wasser: Ein kurzer KI-Videoclip braucht so viel Strom wie rund 60 Handyladungen. Und es kostet Geld. Wer seinen Workflow ernsthaft mit KI aufbaut, sollte mit 200 bis 400 Euro im Monat rechnen. Wie beim Fotostudio: Es kostet, aber es bringt auch etwas.
Was die Leute beschäftigt hat
- Wie funktioniert das Ganze konkret, Schritt für Schritt?
- Was kostet das?
- Und natürlich: Welche ethischen Fragen stellen sich?
Der Praxisteil
Danach wurde es praktisch. Wir haben eine Person ganz normal mit dem Handy gefilmt, ohne auf Licht oder Hintergrund zu achten, also bewusst ohne jeden Aufwand. Diese Aufnahme haben wir anschließend mit KI an einen Wunschort versetzt. Das Ergebnis sah täuschend echt aus. Danach haben sich Gruppen gebildet, die mit ihren eigenen Zugängen 15 bis 20 Minuten an einer gemeinsamen Aufgabe gearbeitet haben.
Genau dieser Moment war für viele der wichtigste des Abends: zu sehen, was mit einem Handyvideo heute möglich ist, und gleichzeitig zu verstehen, warum das neue Fragen aufwirft.
Was bleibt
Mein Eindruck nach dem Abend: Ich konnte den Leuten ein Stück der Angst vor KI nehmen. Nicht, indem ich die Risiken kleinrede, sondern indem alle selbst sehen konnten, was die Werkzeuge können, was sie kosten und wo ihre Grenzen liegen.
Ich werde nicht aufhören, KI zu nutzen. Und ich werde nicht aufhören, den Menschen über die KI zu stellen.
Danke an die Freie Szene Film Dortmund für die Einladung und an alle, die da waren.